Pressespiegel: Münstersche Zeitung

Dienstag, 10. April 2007

Das Mett-mach-TV

Münster - Im zweiten Stock der ehemaligen Osmo-Verwaltung am Hafen gibt es keine Türklinken. Man muss unweigerlich klingeln, wenn man hinein möchte. Drinnen wird eine Sitcom gedreht. Nach draußen schallt nur ein durchdringendes Lachen. Dann öffnet sich die Tür.

Die Handkamera läuft. Man könnte die Aufnahme jetzt stoppen. Aber sie läuft weiter. Und so unbeteiligt man gerade noch vor der Tür stand, ist man plötzlich in etwas hineingeraten, das man im Nachhinein als sonderbar bezeichnen muss. Man ist erwartet worden.

Bei Mett-TV dreht sich alles um die Handelsware Hackfleisch: (v.l.): Brigitte König, Nils Klippstein (Kamera), Ralf Neureuter, Nina Bolle, Tom Lang, Tobias Winopall, Benjamin Häring

Hackfleisch

Die Soap, die gerade in diesen Büroräumen entsteht, hat den Namen Mett-TV bekommen. Es geht um den Hackfleisch-Handel Mett-Catering und die Belegschaft. Sechs kauzige Charaktere, die eifrig damit beschäftigt sind, so zu tun, als wäre Zeit für sie ein knappes Gut - was offenkundig nicht der Fall ist. Vielmehr scheint irgendetwas mit der Handelsware nicht zu stimmen. Die Handkamera läuft weiter. Und weil ein Reporter im Raum ist, entfaltet sich ein handfester Streit an der Kaffeemaschine. Die zweifelhaften Machenschaften könnten nach außen dringen. Ein Drehbuch für diese Auseinandersetzung gibt es nicht. Es gibt überhaupt keine Drehanweisungen.

Leiche im Keller

Als die sechs Darsteller sich vor Monaten per Zeitungsannonce fanden, existierten die Figuren nur als vage Vorstellungen - und eine Art Vorgeschichte, die gab es auch.

Der alte Herr der Firma hat seinen sieben Erfüllungsgehilfen ein Testament hinterlassen: Die Truppe möge den Laden weiterführen, auf dass er hundert Jahre alt werde. Um das sicherzustellen, hat der verstorbene Senior-Chef die Belegschaft sozusagen aneinander gekettet. Jeder hier hat eine Leiche im Keller und wird damit erpresst: Wer die Firma verlässt, den liefert der Firmenanwalt der Justiz ans Messer. Das Dilemma schlägt sich im Betriebsklima nieder. Man steht irgendwo dazwischen und wundert sich, während die mobile Kamera sich von der Kaffeemaschine zum Schreibtisch bewegt. Sie wird gleich wiederkommen.

Mit Kameras hatten die meisten der sieben Laienschauspieler vorher überhaupt nichts zu tun. Es sind zwei Heilpraktiker darunter, ein Handelsvertreter aus der Autobranche, ein gelernter Moderator. Sie alle haben sich wagemutig in dieses Projekt geworfen. Und langsam stellt sich der erste Erfolg ein. Mehr als 11 000 Menschen haben die ersten Folgen von Mett-TV im Internet gesehen. Sieben Folgen à 15 bis 35 Minuten sind fertig. Das Thema der achten wird der Besuch eines Reporters sein. Irgendjemand hat ihn angerufen, aber keiner will es gewesen sein.

Reporter muss sterben

Auf einmal endet das Band. Die Kamera ist aus. Auf einem Sofa sitzen sieben freundliche Menschen und geben bereitwillig über sich Auskunft. Schließlich teilen sie mit, dass der Reporter am Ende dieser Folge sterben muss. Inzwischen ist das neue Band aufnahmebereit. Man findet sich auf dem Boden liegend in einem dunklen Nebenraum wieder. Es soll das Kühlhaus sein. Die Tür öffnet sich. Zwei Männer fassen Arme und Beine. Der Besuch endet hier.

Improvisierte Sitcom

Die Idee, eine Sitcom ohne Drehbuch zu drehen, hatte der selbstständige Videoproduzent Ralf Neureuter (42). Der Gedanke schwirrte bereits mehrere Jahre in seinem Kopf herum, als er sich Anfang 2006 entschloss, per Annonce ein Ensemble zusammenzustellen. Mett-TV ist eine No-Budget-Produktion. Das Team trifft sich alle zwei Wochen zum Dreh in einem Bürogebäude am Hafen. Bislang sind sieben Folgen fertig.

Die erste Folge von Mett-TV wird voraussichtlich am 23. April im Offenen Kanal Münster zu sehen sein. Die Sendezeit wird im Internet veröffentlicht. >> www.mett-tv.de

- Ralf Heimann